Archiv für Dezember 2009

Alltag im U-Club/Warrior Sound

Der U-Club veranstaltet nicht „nur“ alle paar Monate ein Konzert mit einem jamaikanischen Top-Act, der zum Mord an queeren Menschen aufruft. Im U-Club werden jede Woche Songs von Sängern, die für ihre Mordaufrufe bekannt sind, gespielt. Doch nicht nur das, auch explizite Battyman-Tunes4 werden gespielt. Das heißt anders als es vom U-Club zuletzt in seiner Pressemitteilung dargestellt wird1, ist im U-Club sehr wohl Platz für Homophobie und auch für Mordaufrufe gegen schwule, lesbische und queere Menschen.
Und damit niemand glaubt wir würden uns so Vorwürfe einfach ausdenken, wollen wir kurz dokumentieren, dass das U-Club-Publikum sich der ständigen Mordaufrufe durchaus bewusst ist:
„… übrigens werden jeden donnerstag verbal tausende schwule verbal verbrannt im U und keine sau interessierts“
Dies ist eine Bemerkung aus dem U-Club Gästebuch. (mehr…)

vorläufige Nachlese der Sizzla-Tour

Die beiden Konzerte in Wuppertal sind vorbei. Wie zu erwarten war, hat sich der U-Club nicht von einer Absage überzeugen lassen. Laut einem Bericht in der riddim spielte Sizzla auf dem Konzert am Samstag wieder „to the point“. Einen Song in dem (normalerweise) folgende Zeilen vorkommen: „Lesben und Schwule, ich sage, tot sollen sie sein. Ich traue Babylon für keine Sekunde. Ich gehe und erschieß Schwule mit einer Waffe.“
Bei beiden Konzerten gab es vor der Tür des U-Clubs eine Kundgebung. Laut einer Pressemitteilung des U-Clubs beschränkte sich der Widerstand jedoch nicht darauf:
„Nach den bis jetzt unserer Meinung nach konstruktiv verlaufenen Diskussion um die Konzerte von Sizzla Kalonji ist die Situation nun eskaliert. In der Nacht vom 27. auf den 28.11. haben Unbekannte einen Anschlag mit Buttersäure auf den U-Club verübt. Die Säure wurde zwischen 4 und 7 Uhr morgens in die Lüftungsschächte der Räumlichkeiten eingebracht. Außerdem
verschafften die TäterInnen sich Zutritt zum Gebäude, wo sie die für die abendliche Veranstaltung bestimmte Absperrgitter entfernten und in die Wupper warfen. Wir haben für diese Vorgänge die Kriminalpolizei eingeschaltet, die bereits Spuren gesichert hat. Glücklicherweise kann der Schaden bis zum Abend behoben werden, so dass das Konzert stattfinden kann. Wir sind jedoch schockiert und bestürzt über die Gewaltbereitschaft, die in diesen Akten zum Ausdruck kommt! Am Mittwoch Abend wurde bereits unsere Fassade verschmiert, doch mit diesem neuerlichen Ausdruck von Aggressivität wurde eine Grenze überschritten.“

Das „Verschmieren“ der Fassade bestand übrigens darin, dass nun vorm Eingang des U-Clubs in rosa unter anderem der Schriftzug „chichiman pride“ zu lesen ist.
Einen ausführlicheren Artikel zu den Ereignissen rund um die Konzerte wird es noch geben, vorerst nur so viel: Wenn die U-Club-Betreiber es für eine konstruktive Diskussion halten, ein Zusatzkonzert mit Sizzla zu veranstalten, sollten sie sich nicht wundern, wenn andere ihrerseits Buttersäure und Sprühdosen für einen angemessenen Diskussionsbeitrag halten.

Presseberichte:
Buttersäure gegen Sizzla
Sizzla-Konzert gleich zweimal abgesagt
WZ: Umstrittenes Konzert: Säure-Anschlag auf den U-Club